Die Straßenraumgestaltung innerhalb bebauter Gebiete – die neuen Empfehlungen zur Straßenraumgestaltung (ESG)

Vortrag von Herrn Dr.-Ing. Harald Heinz vom Planungsbüro HJPplaner Heinz Jahnen Pflüger, Aachen

Am 12.01. 2012 referierte Herr Dr.-Ing. Harald Heinz vom Planungsbüro HJPplaner Heinz  Jahnen  Pflüger aus Aachen zum Thema

„Die Straßenraumgestaltung innerhalb bebauter Gebiete – die neuen Empfehlungen zur Straßenraumgestaltung (ESG)“.

 

Herr Heinz ist Büroinhaber des Planungsbüros HJPplaner, Aachen und Leiter des Arbeitsausschusses Straßenraumgestaltung der FGSV, der mit den neuen Empfehlungen zur Straßenraumgestaltung (ESG) 2011 bereits die 3. Ausgabe nach der letzten Überarbeitung in 1996 vorlegt. Der Arbeitsausschuss setzt sich aus Mitgliedern unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen, deren gemeinsame Aufgabe es ist, die häufig konträren Anforderungen an die Gestaltung des Straßenraums aus einerseits verkehrlicher und andererseits städtebaulicher Sicht zusammenzuführen.

Auch im Straßenbau gilt der Grundsatz „Planungskultur ist Prozesskultur“, wobei im Entwurf die Belange der Baukultur durch Qualitätssicherung Beteiligung der Betroffenen und interdisziplinäre Zusammenarbeit angemessen zu berücksichtigen sind. Von besonderer Bedeutung ist die Beteiligung der Betroffenen schon zu Beginn der Planungen. 

Im Grundlagenkapitel wird ein Schwerpunkt auf die Berücksichtigung historischer Informationen gelegt. Als Beispiele führte Herr Heinz den Verlauf der Landsberger Allee in Berlin an. Diese führte ursprünglich unmittelbar auf den Alexanderplatz zu und die Sichtachse auf den Fernsehturm ist auch heute noch weitgehend vorhanden.

Zu DDR – Zeiten wurde jedoch der Verkehr vor der Innenstadt auf eine Tangente geführt und der Fernsehturm ist nur noch seitlich sichtbar. In Chemnitz führt eine Umgehungsstraße zum Teil über den historischen Wall, aber auch über einen neu geplanten Stadtring. Hier ist es Aufgabe der Gestalter, den Straßenraum entsprechend zu gliedern und die einzelnen Abschnitte unterscheidbar zu halten. Die Breite der Berliner Friedrichstraße wurde im Bereich der Dorotheenstadt entsprechend dem historischen Vorbild wieder von 22 auf annähernd 12 m verengt.

Die wesentlichen Gestaltungselemente bezeichnete der Referent mit „Gestaltung, Gliederung, Bemessung, Vegetation, Beleuchtung, nächtliche Wirkung und Ausstattung“. Sie kommen in den nicht dem Kfz – Verkehr dienenden Seitenräumen zur Anwendung. Im Unterschied zu früheren Planungsprioritäten werden die Seitenräume nicht mehr nur nachrangig nach den zuvor - entsprechend dem erwarteten Verkehrsaufkommen - festgelegten Fahrbahnbreiten bemessen, sondern vorab auf ihre erforderliche Bemessung geprüft, so dass u. U auch die Fahrbahnbreite entsprechend dieser „Städtebaulichen Bemessung“ des Seitenraums limitiert werden kann. Es gilt, neben den Autos genügend Platz für unterschiedliche Aktivitäten bereit zu stellen. Straßenbau und Städtebau sind daher über den gesamten Prozess enger zu verzahnen. Am Ende steht sodann die politische Entscheidung.

Die Beleuchtung soll nicht nur der Verkehrssicherheit und der sozialen Sicherheit dienen, sondern darüber hinaus in Dämmerung und Dunkelheit Atmosphäre schaffen. Eine sorgfältig ausgewählte, den örtlichen Gegebenheiten entsprechende  Bepflanzung ist ebenfalls ein bewährtes Gestaltungselement.  Identifikation und Aneignung des Raumes belegen am Ende eine erfolgreiche Gestaltung.

Für die Auswahl der Gestaltungselemente empfahl der Referent eine schlichte, nicht überladene Ausführung. Bodenindikatoren sollen sowohl den unterschiedlichen Anforderungen von Blinden und Sehbehinderten genügen, als auch vom Betrachter als schön empfunden werden. „Membranen“ kommen vermehrt vor Supermarktparkplätzen zum Einsatz. Sie ermöglichen den Einkaufenden den Blick auf den Parkplatz, vermitteln jedoch zugleich den Eindruck einer geschlossenen Straßenrandbebauung. Lärmschutzwände an Schnellstraßen werden bislang fast ausschließlich von der Fahrbahnseite her gestaltet, die Wirkung aus Sicht der Anwohner auf der anderen Seite bleibt dagegen weitgehend unberücksichtigt.

Abschließend wünschte sich Herr Heinz, dass allgemein über seine gegenwärtige Ausschusstätigkeit hinaus auch wieder die städtebauliche Gestaltung von Außerortsstraßen vermehrt in den Blick genommen würde. Diese sei zugunsten der verkehrlichen und ökologischen Erfordernisse in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt worden. Ansätze hierzu sind jedoch vorhanden, sogar für die städtebauliche Integration von Autobahnen, insbesondere im Ruhrgebiet liegen bereits Vorschläge vor.

Die zu diesem Vortrag gezeigten Präsentationsfolien finden Sie im Download - Bereich

 

Weitere Informationen unter http://www.hjpplaner.de/