Deutschlandticket – Entstehung, Wirkung und Zukunft

Vortrag von Dipl.-Ing. Gunnar Polzin, Freie Hansestadt Bremen, Abteilungsleiter Verkehr

Am 28.04. referierte Herr Dipl.-Ing. Gunnar Polzin, Abteilungsleiter Verkehr bei der Freien Hansestadt Bremen

„Deutschlandticket – Entstehung, Wirkung und Zukunft“.

Der Referent führt als zuständiger Abteilungsleiter die Verhandlungen mit dem Bund und den anderen Bundesländern zu der aktuellen Fragen des Deutschland-Tickets.

Der Vortrag begann mit einem historischen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des D-Tickets nach der Corona-Zeit und dem Beginn des Ukraine-Krieges. Die Einführung zunächst des 9.-€ - Tickets und nachfolgend des D-Tickets war eine rein politische Entscheidung im damaligen Kabinett der Bundesregierung zum Ausgleich für den Tankrabatts. Das Angebot später wieder abzuschaffen oder den Preis übermäßig zu erhöhen, war wegen der hohen politischen Symbolik nicht mehr möglich.

Im Folgenden und bis in die Gegenwart sind die Gremien auf Bundes- und Landesebene damit befasst, die rechtlichen und  finanziellen Folgen des Angebotes zu bewerten und zu einem Ausgleich für die beteiligten Akteure zu kommen. Dies betrifft zunächst die grundsätzliche 50:50- Aufteilung des Mehraufwandes zwischen Bund und Ländern und mögliche Auswirkungen auf die Höhe der Regionalisierungsmittel.  Darüber hinaus sind die Modalitäten der Einnahmeaufteilung zu klären. So durften zunächst die Verkehrsunternehmen die Erlöse aus dem Verkauf des D-Tickets behalten, in einem zweiten Schritt ist nunmehr die Aufteilung nach den Wohnorten der Käufer und schließlich nach tatsächlicher Nutzung vorgesehen, wobei die letztgenannte Ziellösung einen besonders hohen Ermittlungsaufwand verursacht.

Die neue Bundesregierung hat die Fortführung des D-Tickets zunächst bis 2030 beschlossen, wobei die absehbaren Preiserhöhungen wiederum zwischen Bund und Ländern zu verhandeln sind. Aktuell wird hier ein Index erarbeitet, an den die Höhe des Ticket-Preises gekoppelt werden soll, ohne dass ständige Neuverhandlungen erforderlich werden.

Die Wirkung des D-Tickets auf das Reiseverhalten bleibt überschaubar. Eine nennenswerte Zahl von Fernreisen als Folge der bundesweiten Geltung ist nicht feststellbar, das Reiseverhalten beschränkt sich weitgehend auf die bisher gefahrenen Relationen. Lediglich im Berufsverkehr über längere Distanzen ist aufgrund der größeren Preisdifferenz zu Zeitkarten der Verbünde eine größere Zunahme zu verzeichnen.

Wesentliche Aufgabe aus Ländersicht ist die weitere Sicherung des hälftigen Bundesanteils an der Finanzierung. Auch die enterschiedlichen Tarifbestimmungen auf örtlicher Ebene sollten vereinheitlicht werden.

Über die Umweltwirkungen, insb. Umstiege vom Auto auf den ÖPNV gehen die Meinungen auseinander. Während in Großstädten das Fahrtangebot ohnehin so gut angenommen wird, dass es kaum weitere Fahrgastzuwächse verträgt, kann das geringe Angebot im ländlichen Raum durch eine tarifliche Maßnahme nur wenig Zuwachs erreichen.

Insgesamt kommt Herr Polzin zu dem Ergebnis, dass das Deutschland-Ticket keine  nennenswerten Effekte für das Verkehrsgeschehen insgesamt erbracht hat. Eine größere Zukunftsfähigkeit attestiert er den check-in, check – out Systemen, die für den Kunden einen vergleichbaren Bedienungskomfort bieten, in der Preiswirkung aber die tatsächliche Nutzung besser abbilden.