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Crowd – Management – Sicherheitsplanung als Gesamtsystem

Am 08.12. 2011 referierte Frau Sabine Funk, Geschäftsführerin der Firma Wissenswerk – Schulung - Beratung, Qualifizierung aus Bonn zum Thema

„Crowd – Management – Sicherheitsplanung als Gesamtsystem“.

Die Referentin besitzt eine Ausbildung u.a. als Meisterin für Veranstaltungstechnik und hat in England das Studium des Faches „Crowd – Management“ abgeschlossen. Als Studienfach wird dieses Thema derzeit noch nur in England angeboten,  Der Grund hierfür liegt in der dort in der Vergangenheit größeren Zahl von Schadensereignissen bei Großveranstaltungen mit einer hohen Zahl an getöteten und schwerverletzten Personen. Seit den Unglücken von Cincinnati 1980 und Hillsborough 1990 wird das Thema wissenschaftlich bearbeitet. In Deutschland sind Großveranstaltungen spätestens seit der Katastrophe bei der „Love – Parade“ 2010 in den Blickpunkt geraten.

Frau Funk tritt mit ihrer Firma selbst als Veranstalterin, u.a. der „Rhein – Kultur“ auf und berät andere Veranstalter.

Der Rechtsrahmen für den Ablauf von Veranstaltungen ist in Deutschland zum Teil sehr einseitig und lückenhaft gestaltet. Die maßgeblichen bauordnungsrechtlichen Vorschriften der Sonderbauverordnung und der Versammlungsstättenverordnung beschränken sich in ihrem Reglungsgehalt auf die bautechnische Ausstattung von Gebäuden: Die darin enthaltenen Bestimmungen zu Platzzahlen, Fluchtwegbreiten ...sind genereller Natur und tragen den möglichen Besonderheiten der jeweiligen einzelnen Veranstaltung nicht Rechnung. Die Sichtweise der Feuerwehr ist häufig allein auf die Verhinderung von Schadensereignissen und ggfs. deren Bekämpfung fokussiert. Auch die Ausgestaltung des straßenrechtlichen Sondernutzungsrechtes erfolgt häufig ohne Bezug zu der jeweils geplanten Veranstaltung

Crowd – Management hingegen verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der bemüht ist, alle Aspekte im Vorfeld, während und im Anschluss an eine Veranstaltung zu bewerten, einen regulären Verlauf zu gewährleisten aber auch jeweils einen „Plan B“ für den Störungsfall vorzuhalten. Dabei sind die Eigenheiten der typischen Besucher einer Veranstaltung in den Blick zu nehmen. So unterscheidet sich das Verhalten von Besuchern eines Fußballspiels deutlich von dem der Besucher eines Rock – Konzertes oder einer Theateraufführung. Auch innerhalb der Besuchergruppen gibt es unterschiedliche Vorlieben und Verhaltensweisen, so dass Stehplatzränge in Stadien nicht generell als gefährlicher einzuschätzen sind als Sitzplätze, weil die typischen Stehplatzbesucher – jüngere Erwachsene – mit den Bedingungen vertraut sind und gerade diese besonders schätzen.

Die Hauptanforderungen an den Ablauf werden in drei Hauptkategorien unterteilt, welche mit den Begriffen „Design“, „Information“, und „Management“ überschrieben sind und in allen drei Stadien der Veranstaltung „Ankunft“, „Circulation (Aufenthalt und Bewegung am Veranstaltungsort)“ und „Abreise“ gewährleistet sein müssen -  und zwar sowohl im Normal – als auch im Störfall.

Unter „Design“ wird die Schaffung einer angenehmen Aufenthaltssituation verstanden; als Beispiel nannte die Referentin die unterschiedlichen Personendichten, für Menschen  in Bewegung (dynamisch): 2,5 /qm ansonsten 5 / qm (statisch). Ebenso bedeutsam ist die „Gestaltung“ von Warteschlangen vor einem Bahnhof, bei welchen seitliche Ausweichzonen für den Fall eines zu großen Gedränges vorgehalten werden. Diese sind auch beim Einlass zum Veranstaltungsort notwendig, falls einmal die Türen wegen Überfüllung geschlossen werden müssen. Zugleich sind den Wartenden Informationen z.B. über die voraussichtlich verbleibende Wartezeit zu geben. Die übergeordneten Informationsziele lauten Planungssicherheit, Orientierung und Erhalt der Selbstkompetenz, d.h. der Möglichkeit, anhand der erhaltenen Informationen noch selbstständig entscheiden zu können.

In den Bereich des Managements fällt eine ausreichende Zahl qualifizierter Service – Kräfte, wobei diese auch ansprechbar sein und nicht in einer abweisenden „Security“ – Haltung verharren sollten.

Als Negativbeispiele nannte die Referentin schlecht sichtbare Hinweistafeln, zu wenige Müllbehälter oder ungeeignete oder gar gefährliche Absperrvorrichtungen. Neuerdings werden Veranstaltungsplanungen auch durch das „Posten“ der Veranstaltung in sozialen Netzwerken erschwert. Der zusätzlich hinzutretende Personenkreis ist zwar quantitativ überschaubar, verhält sich jedoch u.U. völlig anders als das aus den Vorjahren bekannte Publikum.

Abschließend demonstrierte Frau Funk anhand der von ihr betreuten Großkirmes „Pützchens Markt“, wie eine Veranstaltungsfläche im Straßenraum zu beplanen ist. Das Gelände wird u.a. in Abschnitte von etwa 180 m Straßenlänge aufgeteilt, die jeder für sich auf seine Leistungsfähigkeit und das Vorhandensein von Rettungswegen untersucht werden. Verkaufsstände und Fahrgeschäfte dürfen die Wege nicht verengen und auch die Sichtachsen nicht verstellen.

Letztlich gilt es jedoch nach Aussage der Referentin zu akzeptieren, dass trotz aller planerischer Sorgfalt in der Vorbereitung ein Restrisiko von unvorhersehbaren Ereignissen verbleibt.

 

Weitere Informationen unter http://www.wissenswerk.net