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Platz für Rad- und Fußverkehr – eine Herausforderung für die kommunale Planung

Am 21.10.2021 referierte Frau Anne Grimm, zum Thema „Platz für Rad- und Fußverkehr – eine Herausforderung für die kommunale Planung“

Frau Grimm ist Sachgebietsbeauftragte für den Radverkehr beim Straßenverkehrs-und Tiefbauamt der Stadt Kassel. Sie hat zudem an den einschlägigen Regelwerken für den Radverkehr der FGSV mitgearbeitet.

Kassel ist nach Auffassung der Referentin auch gegenwärtig noch als „Autostadt“ zu bewerten. Die bergige Topographie hat erst mit Aufkommen von Pedelecs einen höheren Anteil des Radverkehrs am Modal Split zugelassen. Umverteilung von Verkehrsflächen ist daher ein wesentliches Thema und Problem in der Radverkehrsplanung. Der aus dem Jahr 2018 stammende Verkehrsentwicklungsplan

https://www.kassel.de/buerger/verkehr_und_mobilitaet/verkehrsentwicklungsplan/verkehrsentwicklungsplan.php

sah für das Jahr 2030 einen Radverkehrsanteil von lediglich 11% vor, ein Wert, der gegenwärtig bereits erreicht ist.

Am 23. September 2019 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, den Radverkehr im Stadtgebiet zu fördern, nachdem der Radentscheid ein Jahr zuvor noch gescheitert war. Das Radverkehrskonzept für 2030 https://www.kassel.de/buerger/verkehr_und_mobilitaet/radverkehrskonzept/radverkehrskonzept.php 

wurde daher unter Beteiligung der Initiatoren des Entscheides erarbeitet. Dabei waren die unterschiedlichen Präferenzen von sportlichen/ Berufsverkehrs - Radfahrenden, Familienradfahrten und auch Umsteigern vom Pkw oder der zumeist überlasteten Straßenbahn zur Universität zu berücksichtigen.

Planungsgrundsatz war die Schaffung einer stadtweit möglichst einheitlichen sicheren und attraktiven Radwegs-Gestaltung, auch über Knoten hinweg. Zusätzliche 1.800 Fahrrad-Abstellanlagen sollten bis 2022 witterungsgeschützt und diebstahlsicher erstellt sein. Radinfrastruktur ist mit einem zeitlichen Vorlauf von 5 Jahren zu planen, zusätzlich sind jährlich 5 Km Radinfrastruktur neu zu planen. Schulen und Kindergärten stehen  bei der Schaffung fuß- und radverkehrsfreundlicher Infrastruktur besonders im Fokus: Insbesondere in einem 5oo m - Radius um diese Einrichtungen ist auf eine fuß- und radverkehrsfreundliche Straßenraumgestaltung besonderer Wert zu legen. Die für die kommenden 2 Jahre zu beschaffenden 950 Fahrradbügel sollen vorrangig dort – auch vor Grundschulen- aufgestellt werden. Zusätzlich werden für Überdachungen, Boxen, Schließfächer und 20 Fahrrad-Reparaturstationen 2,5 Mio.-€ aufgewendet.

Mobile Fahrradbügel sollen bei größeren Veranstaltungen zum Einsatz kommen, aktuell sind sie noch vor dem Impfzentrum aufgestellt.

Bei der Einrichtung von Straßenbaustellen ist für den Radverkehr grundsätzlich eine Umleitung zu planen, die bislang übliche Vorgehensweise, Radwege vor der Baustelle „im Nichts“ enden zu lassen, wird nicht mehr akzeptiert.

Die Belange des Radverkehrs sollen in allen Verkehrsplanungen mit hoher Priorität berücksichtigt werden, ggfs. auch unter kritischer Bewertung entgegenstehender der Belange des fließenden und des ruhenden Kfz-Verkehrs. Die notwendige Umverteilung von Verkehrsflächen ist damit politisch grundsätzlich akzeptiert. Dies bedeutet, dass bei allen künftigen Maßnahmen auch Planungsvarianten vorzuschlagen sind, bei denen Fahrstreifen bzw. Kfz-Stellplätze ganz oder teilweise wegfallen, um mehr Platz für Rad- und Fußverkehr zu schaffen.

Allerdings sinkt die Akzeptanz egelmäßig, soweit konkrete Maßnahmen für bestimmte Straßenzüge vorgeschlagen werden. Die zum Radverkehrskonzept ursprünglich positiv eingestellte Presse wechselt in diesem Fall regelmäßig die Seite und unterstützt fortan eher die Gegner vor Ort.

Die Verwaltung wird um 16 Stellen für Rad- und Fußverkehrsplanung aufgestockt, es steht für die kommenden Jahre ein Etat von 60 Mio. € zur Verfügung.

Anschließend führte die Referentin anhand von Vergleichsfotos einige bereits vollendete Maßnahmen vor, wobei besonders die Durchführung von Radfahrstreifen über große Knoten hinweg Beachtung verdienen. Es besteht allerdings auch eine gewisse Konkurrenzsituation zu den Belangen des in Kassel sehr gut ausgebauten ÖPNV. Als besonders spektakuläres  Zukunftsprojekt plant Frau Grimm die Einrichtung einer vollautomatischen Fahrradgarage im inneren der Parkhausspindel am Kaufhof. Sie könnte etwa 120 Fahrräder aufnehmen. Allerdings sucht die Stadt hierfür noch ein geeignetes Betreibermodell.

Die zum Vortrag gezeigte Präsentation mit den vorgestellten Beispielen finden Sie im Download-Bereich.